Kind pustet Blatt von seiner offenen Hand

Das Aktionsbündnis Kinder mit Behinderungen in Pflegefamilien wurde am 11.07.2017 offiziell für den Deutschen Engagementpreis 2017 nominiert.



Aktuelle Stellungnahme zum Gesetzgebungs-vorhaben inklusive Lösung __PDF


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Alltag in Deutschland

Nachhaltigkeit im Pflegekinderwesen dringend erforderlich

Kinder, die aus verschiedensten Gründen nicht in ihren Herkunftsfamilien aufwachsen können, werden in Pflegefamilien vermittelt.

Alltag in Deutschland: Pflegekinder mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen werden von engagierten Pflegefamilien versorgt und in ihrer Entwicklung begleitet und gefördert.

Alltag in Deutschland: Pflegefamilien erfahren keine Wertschätzung für ihre Arbeit, werden häufig von verantwortlicher Stelle, den Jugendämtern, nicht zielführend beraten und erhalten daher oft nicht einmal die Unterstützung, die ihnen gesetzlich zusteht.

Stattdessen stehen Pflegeeltern häufig wie Bittsteller im Amt und werden, wenn sie unbequem werden, sich plötzlich zu gut auskennen, als Querulanten abgestempelt, es wird gar gedroht, ihnen das Pflegekind wieder wegzunehmen. Wir empfehlen spätestens an diesem Punkt einen auf Pflegeeltern- und Pflegekindschaftsrecht spezialisierten Anwalt (beispielsweise Herrn RA Steffen Siefert in Köln oder Herrn RA Joachim Dorner in Hannover).

Nachhaltigkeit im Pflegekinderwesen bedeutet zunächst eine adäquate personelle Ausstattung in den entsprechenden Fachdiensten. Idealerweise kennen sich die Fachleute in ihrem Gebiet dann auch tatsächlich aus und können beispielsweise zutreffende sozialrechtliche Beratungen durchführen. Zum Standard sollte unserer Meinung nach auch das Recht von Pflegeeltern auf Supervision gehören (selbstverständlich finanziert vom Jugendamt) – und zwar von einem Supervisor nach Wahl der Pflegeeltern!

Es ist unerlässlich für Nachhaltigkeit im Pflegekinderwesen, dass die Verantwortlichen rechnen können: Ich investiere jetzt vernünftig und vermeide dadurch Folgekosten. Diese Vorgehensweise ist deshalb nicht überall Standard, weil die Folgekosten eben nicht immer von der Jugendhilfe getragen werden und ihr folglich häufig nur daran gelegen ist, Kosten zu reduzieren.

Marode Strukturen, Personalmangel und die daraus resultierenden Probleme – das muss nicht sein! Das Rad muss nicht neu erfunden werden. Am Beispiel der Ergebnisse der „Forschungsgruppe Pflegekinder“ der Universität Siegen oder der „Weiterentwicklung der Vollzeitpflege“ wird deutlich: Alles schon da, es muss nur noch umgesetzt werden …

Für Pflegeeltern, die Pflegekinder mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen betreuen, sei auf die Publikation Ressource Pflegeeltern der Universität Siegen, ZPE-Schriftenreihe Nr. 30, verwiesen.

Interessierten sei ferner die Dokumentation Leuchtturm-Projekt PflegeKinderDienst empfohlen. Sie erschien im Juli 2011 und kann unter (0221) 809-4022 bestellt werden.

Pflegeeltern, die Kinder mit FASD betreuen, bietet der FAS-Erste Hilfe-Koffer (erschienen im Verlag Schulz-Kirchner, Idstein) Unterstützung. Dieser Verlag bringt außerdem regelmäßig interessante und hilfreiche Publikationen über FASD heraus.

Durch die Mitgliedschaft im PFAD-Bundesverband erhalten Pflegefamilien wertvolle Anregungen für ihre Arbeit.

Die Arbeit mit beeinträchtigten Kindern ist kräftezehrend genug, da brauchen Pflegeeltern nicht noch Störfeuer von Jugendamtsseite, sondern kompetente und pfiffige Fachkräfte. Im Übrigen ist es kontraproduktiv, dass es Jugendämter gibt, die alle zwei Jahre die zuständige Fachkraft bei der Pflegefamilie auswechseln, damit nur ja kein zu vertrauliches Verhältnis entsteht (schließlich könnte ihr ja sonst zu viel genehmigt werden …). Hier wäre es hilfreich für die Pflegefamilien, wenn dem Stichwort „kontinuitätssichernde Planung“ auch flächendeckend in allen Jugendämtern Taten folgen würden.

Professor Dr. Klaus Wolf von der Universität Siegen schrieb: „ … je weniger leistungsfähiger ein Dienst ist, desto stärker fordert er die Professionalisierung des privaten Lebens, denn die müssen professionell sein, weil er es nicht ist …“ (Zeitschrift für Sozialpädagogik, 4/2012, Beltz Juventa, Weinheim, S. 417). Wir wünschen uns flächendeckend professionell arbeitende Jugendämter! Zurzeit ist die Qualität der Unterstützung, die Pflegefamilien erhalten, davon abhängig, ob es in dem für sie zuständigen Stadtteil / Landkreis ein professionell arbeitendes Jugendamt gibt – oder davon, wie lange es die kompetente zuständige Fachkraft in einem schlecht aufgestellten Jugendamt aushält!

An dieser Stelle ein herzlicher Dank an all jene Fachkräfte, die wie „Leuchttürme“ für Pflegeeltern sind, ihnen mit Tipps aus der Praxis hilfreich zur Seite stehen und für die „Partizipation“ und „ressourcenorientiertes Arbeiten“ gelebter Berufsalltag ist!

Engagierte Pflegefamilien, die die Aufgabe übernehmen, ein beeinträchtigtes Kind zu begleiten und zu fördern, leisten in dieser Gesellschaft einen unschätzbaren Dienst. Es wird Zeit, das anzuerkennen!

Wir schließen mit einem Zitat von Dr. Jan-Uwe Rogge: „Verlieren Sie nicht Ihren Humor – Sie werden ihn noch brauchen!“

Eine trotz aller Schwierigkeiten fröhliche Pflegefamilie.

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